10.11.05

Couchepin spart

Der Tarif für Laborleistungen wird gesenkt. Damit sollen 60 Mio Franken pro Jahr gespart werden. Dies sind 0.12% der Gesamtkosten des Gesundheitswesens. Diese Einsparung bedeutet: Praxislabors werden unrentabel, denn sie können Analysen nicht so billig mchen, wie Grosslabors. Soweit so gut, das gibt einen Spareffekt. Allerdings: Es wird dann vielfach nicht mehr möglich sein, im Rahmen einer Arztkonsultation gleich auch eine Laboranalyse durchzuführen und zu besprechen. Stattdessen wird das Blut zum Grosslabor eingeschickt, und es ist eine Zusatzkonsultation notwendig, um die Resultate zu besprechen. Eine Zusatzkonsultation kostet allerdings wedentlich mehr, als die eingesparte Analyse im Praxislabor gekostet hätte.
Und schlimmer noch: Bei Krankheitsfällen, wo das Laborresultat zur Abschätzung des Schweregrads möglichst rasch erhalten werden sollte, wird aus der Arztkonsultation dann eine Einweisung auf die Notfallstation des Spitals werden müssen. Die durschschnittliche Behandlung auf einer Spital-Notfallstation kostet rund das fünffache einer durschschnittlichen Notfall-Arztkonsultation.
Couchepins Schuss wird somit -wie so oft- nach hinten losgehen.

27.10.05

Grippeimpfung ausverkauft

Es ist soweit: Die Vorräte an Grippeimpfstoff (Gegen die normale Grippe, wohlbemerkt, nicht gegen H5N1) sind so gut wie ausverkauft. Und das schon vor dem "nationalen Grippeimpftag" am 4. November. Was ist passiert? Die Menschengrippe tötet in der Schweiz jedes Jahr zwischen 200 und 1000 Menschen, weltweit einige 100'000. Trotzdem liessen sich bloss rund 10% der Beölkerung impfen. Jetzt tritt eine Vogelgrippe auf, an der bisher weltweit knapp 100 Menschen gestorben sind, und prompt schnellt die Impfrate auf bisher unbekannte Höhen. Und das für eine Impfung, die gegen die Vogelgrippe gar nicht wirkt.
Wirklich rational scheint das nicht.
Sogar Roche wird der eigene Erfolg langsam unheimlich: Tamiflu wird nicht mehr an Private verkauft.

15.10.05

BAG und WHO vs. Roche-Werbeabteilung

Ist es nicht eigentlich lustig, dass der Roche-Werbeabteilung und einigen Journalisten in Sachen Vogelgrippe mehr Kompetenz zugestanden wird, als den eigentlich auf den ersten Blick diesbezüglich kompetenter erscheinenden Institutionen wie WHO, BAG oder FMH?

14.10.05

Tamiflu

Die Schweiz wird ja zur Zwei-Klassen-Gesellschaft: Diejenigen, die sich Tamiflu verschreiben (lassen) können (die werden die Vogelgrippe überleben), und diejenigen, welche das nicht können (die werden die Vogelgrippe auch überleben, aber mit einem schlechteren Gefühl).

Am besten gibt man die Rezeptpflicht sofort auf. Tamiflu wird sowieso schon so breit eingesetzt, dass alle allfällig zu uns kommenden Viren längst resistent sein werden. Also lasst den Leuten ihr Sicherheitsgefühl, gebt allen Tamiflu, lasst die Roche ihre Kasse schön auffüllen, und alle sind zufrieden.

Die, die Tamiflu genommen haben, werden überzeugt sein, dass sie nur dank Tamiflu überlebt haben, die die es nicht genommen haben, werden überzeugt sein, nochmal Glück gehabt zu haben, und sich für die nächte Seuche vornehmen, dann auch ihren Notvorrat anzulegen.

PS: Es gäbe ja auch noch Relenza von der Roche-Konkurrenz

PPS: An Vohelgrippe sind bisher etwa 60 Menchen weltweit gestorben. An der "normalen" Grippe sterben allein in der Schweiz jedes Jahr zwischen 200 und 1000 Menschen. Gegen die Grippe kann man sich impfen.

12.10.05

Vogelgrippe

Der Vogelgrippe-Hype ist für die Pharmaindustrie viel lukrativer, als vor einigen Jahren der Ebola-Hype. Wohl auch deshalb wird er so sorgfältig am Kochen gehalten.

Der Sieger steht fest: Roche. Ich frage mich, wieviel Roche den Zeitungen bezahlt, damit diese immer wieder von der Vogelgrippe schreiben....

PS:
Natürlich darf man nicht verschweigen, dass weltweit rund 100 Menschen an Vogelgrippe gestorben sind. Man sollte aber vielleicht dazu sagen, dass allein in der Schweiz jedes Jahr zwischen 200 und 1000 Menschen an der normalen Grippe sterben.

29.9.05

Gesundheitswesen und Arbeitsmarkt

Immerhin beschäftigt das Gesundheitswesen 10% der erwerbstätigen Bevölkerung der Schweiz. Eine nicht unerhebliche Wertschöpfung. Einsparungen im Gesundheitswesen werden daher möglicherweise auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben.

28.9.05

Krankenkassenprämien steigern

Es ist ja schon erstaunlich, wie ideologische Scheuklappen objektive Datenanalyse verhindern:
Klar ist ja:

  • Die grösste Kostensteigerung findet seit Jahren in den Spitälern, und dort vor allem im ambulanten Bereich statt

  • Die Krankenkassen haben kein wirkliches Interesse an Kostensenkung, weil sie ja von höherem Umsatz profitieren (Der gleich hohe Prozentsatz, den sie für Managementlöhne abzweigen können, wird ja bei höherem Umsatz zu einem höheren Betrag



Die Lösungsvorschläge von Krankenkassenfunktionären und Kuschpäng sind aber:

  • Abschaffung des Kontrahierungszwangs. Das soll auf ominöse Weise zu "mehr Markt" und damit weniger Kosten führen. (Wieso eine durch Kassen gesteuertr Verringerung der Anbieter zu "mehr Markt" führen soll, ist ja schleierhaft)

  • Abbau von kleinen Landspitälern, weil ja angeblich tausende von Betten zuviel vorhanden sind, Was Spitalbetten mit der Kostensteigerung im ambulanten Bereich zu tun haben, ist ja ebenfalls schleierhaf. Bezahlen darf die Landbevölkerung damit, indem sie bei einem Herzinfarkt halt eine Stunde länger braucht, bis sie im Spital ist

  • Ausbau der Spitzenmedizin. Die Kantone prügeln sich ja geradezu darum, wer die teuersten Behandlungen machen darf. Dabei wird Spitzenmendizin niemals auch nur annähernd rentabel sein können, weil ein risiger Apparat für eine relativ kleine Zahl von Behandlungen aufgebaut und unterhalten werden muss.

  • Weitere Taxpunktsenkungen für die freipraktizierenden Ärzte. Dabei arbeiten die ja ganz zweifellos wesentlich günstiger, als die Spitalambulatorien, die stattdessen aufgebaut werden.



Kurz: Nicht das Gesundheitswesen ist krank, sondern die Gesundheitspolitik.

27.9.05

Managed Care

Nun, wenn die Umkehr des Anreizsystems (Vgl. HMO) zu riskant ist, und wenn der Status Quo ebenfalls nicht befriedigend ist, vielleicht dann ein dritter Weg: Die Akteure im Gesundheitswesen sollen weder für das Erbringen noch für das Vermeiden von Leistungen belohnt werden, sondern werden für einen Fixlohn angestellt.

Dies ist beispiesweise der Fall in den Spitälern: Der Assistenzarzt in der Notfallstation bekommt gleichviel Lohn, egal wieviel er den Paienten, die er behandelt verrechnet.
Und die Erfahrung zeigt: Dieselbe Erkrankung wird viel mehr kosten, wenn sie auf der Notfallstation eines Spitals erstbehandelt wird, als wenn der Patient zunächst zu einem Privatarzt geht.
Der Fixlohn scheint also auch nicht die ideale Lösung zu sein.

26.9.05

HMO

Dass Ärzte umso mehr verdienen, je mehr Leistungen sie erbringen ist ja eigentlich logisch. Auch ein Sanitärinstallateur verdient umso mehr, je mehr Leistungen er erbringt. Hier wie da besteht dadurch eine Versuchung, mehr Leistungen zu erbringen, als eigentlich notwendig wäre. In der Medizin ist dieses Missbrauchspotential grösser, weil der Kunde hier die Ausweitung der diagnostischen und therapeutischen Massnahmen eher mitmacht. Schliesslich geht es um seine Gesundheit, und last but not least muss er dafür (direkt) nicht viel bezahlen.

Wenn es aber schlecht ist, dass ein Arzt mehr verdient, wenn er mehr leistet, ist es dann wirklich besser, wenn ein Arzt umso mehr verdient, je weniger Leistungen er erbringt? Das ist nämlich kurz zusammengefasst das Konzept der HMO .

Genau: Es geht ja nicht um die Leistungen per se, sondern um die ominösen unnötigen Leistungen. Bloss, wer bestimmt, welche Leistung nötig resp. unnötig ist? Eigentlich doch am ehesten der Fachmann. Aber wenn man diesem Fachmann nicht traut? Wenn man denkt, er handelt nur für sein Portemonnaie?
Was würden würden wir mit einem Sanitärinstallateur machen, den wir zm Entkalken des Boilers gerufen haben, und der uns jetzt sagt, die gesamten Wasserleitungen im Haus müssen ersetzt werden?

Es gibt drei Möglichkeiten: Entweder wir vertrauen ihm und lassen es ihn machen, oder wir misstrauen ihm, dann fragen wir noch einen anderen Installateur. Oder wir hoffen auf unser Glück und lassen es ihn nicht machen, weil das Wasser ja noch läuft.

Auch in der Medizin führt kein Weg daran vorbei, dass man den Fachleuten, die man aufsucht, entweder vertraut, oder halt eben nicht. Im zweiten Fall muss man andere Fachleute aufsuchen. Wenn man nämlich denkt, der Fachmann erbringe aus Einkommensgründen unnötige Leistungen, dann ist es ja geradezu gefährlich, das Anreizsystem umzukehren und denselben angeblich nur am Geld interessierten Fachmann für das vermeiden von Abklärungen und Therapien zu belohnen.

25.9.05

Ist das Schweizer Gesundheitswesen krank?

Unser Gesundheitswesen sei krank, hört man alle Medien und Politiker unisono tönen. Was meinen die damit? Sie wollen damit nicht etwa sagen, dass es seine Aufgabe nicht erfüllen würde. Das tut es nämlich: Es stellt die bestmögliche Behandlung von Krankheiten für den grösstmöglichen Bevölkerungsanteil bereit. Was als "krank" empfunden wird ist: Es tut dies nicht gratis.

Tatsächlich sind die Gesundheitsausgaben der Privathaushalte in den letzten Jahrzehnten schneller gestiegen, als das Bruttosozialprodukt. Man kann damit ausrechnen, wann der Punkt erreicht sein wird, wenn 100% des BSP für das Gesundheitswesen benötigt werden - anscheinend.

Vielleicht sollte mn einige Fakten nicht aus den Augen verlieren:

- Die Kosten, die Privathaushalte für die Gesundheitspflege aufzubringen haben sind nicht zuletzt deshalb gestiegen, weil der Staat sich immer weiter aus der Finanzierung des Gesundheitswesens zurückgezogen hat. Die Gesamtkosten des Gesndheitswesens sind weniger stark angestiegen, als der Anteil, den die Privathaushalte daran zu tragen haben.

- Alle westlichen Staaten haben zur Zeit dasselbe Problem, dass die Ausgaben des Gesundheitswesens stärker steigen, als das BSP. Dieses Phänomen zeigt, dass es sich wohl nicht um einen Systemfehler des Schweizer Gesundheitswesens handelt, sondern um ein allgemeines Phänomen, das mit strukturellen Änderungen des Krankenkassenwesens kaum beeinflussbar sein dürfte - Immerhin haben ja Staaten wie die USA und Deutschland mit völlig anderen Krankenkassensystemen exakt dieselben Probleme.

- Die Kosten sind nicht ganz so gigantisch, wie die nackten Zahlen vermuten lassen. Bei den Ausgaben der Privathaushalte machte die Gesundheitspflege im Jahr 2000 4.0% der Gesamtausgaben aus. Zum Vergleich: Der Bereich Verkehr machte 7.5% aus, der Bereich Wohnen 20% und Freizeitktivitäten 6.7%.

Ok, wir bekommen also für etwas mehr als die Hälfte dessen, was wir für Auto und Oeffentlichen Verkehr ausgeben, ein Gesundheitssystem, das uns im Fall einer Erkrankung rundum mit den besten aktuell erhältlichen Methoden behandelt. Ist das wirklich so krank?
Wollen wir das wirklich aufgeben?